Die grüne Schere – Der steinige Weg zurück ins Leben

Zu Beginn der neunten Klasse spüren Chris und seine Eltern, dass etwas nicht stimmt. Er fühlt sich ständig müde, kann sich nicht mehr konzentrieren. Alles fällt schwer, Chris ist traurig. Einige Monate später ist die Erschöpfung so groß, dass er nicht mehr in die Schule gehen kann. Diagnose: Depression. Chris verbringt mehrere Monate in einer Klinik. Doch es kommt noch schlimmer. Die Ärzte stellen eine bipolare Störung bei dem Jungen fest. Ein langer und beschwerlicher Weg zurück zur Normalität liegt vor ihm. Doch wie einfach machen es ihm seine Mitmenschen?
567189Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt – was umgangssprachlich extreme Stimmungslagen beschreibt, ist für Menschen mit bipolarer Störung tatsächlicher Alltag. Von absoluten Glücksgefühlen schlagartig in heftigste Depressionen verfallen – für sie ganz normal. Auch der 15-jährige Chris Weissmann schwankt zwischen Suizidgedanken und überdimensionalem Selbstvertrauen hin und her.
„Die grüne Schere“ erzählt seine Geschichte, die Autobiografie eines Jugendlichen, der immer trauriger wird, der in einer Phase seines Lebens, in der er das alles gar nicht begreifen kann, unter Depressionen leidet. Kaum jemand in seiner Umgebung bemerkt, dass etwas nicht stimmt, dass er etwas verbirgt. Er weiß ja selbst nicht, was es ist, er kann es nicht benennen. Chris wird nur immer trauriger und müder, alles wird zu viel. Der Junge ist überfordert und stellt sich Fragen über Fragen: Was soll das? Was geschieht mit mir? Wie reagiert meine Umwelt auf mich? Als er nicht einmal mehr zur Schule gehen kann, wird er in eine Klinik eingewiesen, in der er drei Monate bleibt. Danach gilt es, den Weg zurück in die Schule, in den Alltag neu zu lernen und die Erlebnisse in der Klinik zu verarbeiten. Wie reagiert die Klasse, wie reagieren die Mitmenschen allgemein?
Doch Chris ist noch weit entfernt von einer Heilung, im Gegenteil. Es wird noch viel schlimmer. Die Medikamente helfen nicht, seine Stimmungen geraten von einem Extrem ins andere, Unsicherheit und Verzweiflung des Teenagers nehmen zu. Bei einem weiteren Klinikaufenthalt wird eine bipolare Störung diagnostiziert. Wieder muss Chris von vorne anfangen und seinen Alltag in der Schule bewältigen. Er lernt, sich mit der Krankheit zu arrangieren und erlangt die Erkenntnis, dass es sich lohnt zu kämpfen. Dass es sich lohnt, den Weg zurück ins Leben zu suchen und ihn zu gehen. Dass es sich lohnt, die Hoffnung nicht aufzugeben und an eine vorurteilsfreie Gesellschaft zu glauben.

Mit seinem Buch möchte Chris Weissmann in erster Linie Menschen Mut zusprechen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, die entweder selbst an einer psychischen Krankheit leiden oder deren Angehörigen. Mit dem Einblick in seine Geschichte und seine Seele will er helfen, dass sie besser verstanden werden, denn er weiß, wie sie fühlen. „Diese Krankheit stellt so viele Fragen, die wichtigste natürlich: „Wie werde ich wieder gesund?“ Aber auch, wie man seine unterschiedlichen Gefühle und Stimmungen bewerten soll, alles ist unbekannt. Keiner kann sagen, wie lange die Heilung wirklich dauert und welcher Weg dazu der richtige ist“, erklärt er. Die Rückkehr zur Normalität sei das Schwierigste, so Weissmann: „Und traut man sich wieder, unter die Leute zu gehen, ohne abgestempelt zu werden?“

„Die grüne Schere“ ist eine spannende, offene, mutige, rührende Geschichte, aber auch eine zum Staunen darüber, was der Alltag mitten in Deutschland bedeuten kann. Interessant, authentisch und direkt aus dem Leben.

Chris Weissmann
Die grüne Schere
Papierfresserchens MTM-Verlag
ISBN: 978-3-86196-298-4
Taschenbuch
ca. 150 Seiten
10,50 Euro
Erscheinungstermin: März 2014